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Artikel aus: Limmattaler Zeitung (5.10.2012), via News aus dem Bereich “Alte Sprachen” auf SwissEduc; Alle drei Anträge seien mit komfortabler Mehrheit abgelehnt worden, sagte Dekan Peter Fröhlicher nach der Versammlung am Freitagabend auf Anfrage.

Wer an der Uni Zürich den Master in Philosophie, Englisch oder moderner Kunstgeschichte machen will, muss auch künftig Lateinkenntnisse haben: Die Versammlung der Philosophischen Fakultät beschloss am Freitag, die Lateinpflicht nicht abzuschaffen.

Alle drei Anträge seien mit komfortabler Mehrheit abgelehnt worden, sagte Dekan Peter Fröhlicher nach der Versammlung am Freitagabend auf Anfrage. Man habe befürchtet, dass die verschiedenen Fächer der Philosophischen Fakultät aus dem Gleichgewicht geraten würden, falls die drei Fächer aus dem Verbund ausscheren würden.
Der Antrag auf Abschaffung war vom Englischen und vom Philosophischen Seminar und von den Kunsthistorikern gekommen, wie Uni-Sprecher Beat Müller zur Nachrichtenagentur sda sagte. Hauptbegründung war, dass viele Studierende an andere Universitäten ausweichen würden, wo sie ohne Latein ihren Masterabschluss machen könnten.
Auch von den Studierenden waren nicht alle einverstanden mit den Anträgen zur Abschaffung: Mit einer Petition setzten sich vor allem Philosophiestudierende für die Beibehaltung des «Latinums» ein.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten schafften die verschiedenen Universitäten in zahlreichen Fächern das Lateinobligatorium ab – für angehende Mediziner fiel es in Zürich bereits 1968.
Neben Philosophie, Englisch und moderner Kunstgeschichte gilt das Lateinobligatorium an der Uni Zürich auch weiterhin für Fächer wie Geschichte, Theologie, Archäologie und die meisten Sprachstudiengänge.

Latein ist Teil unserer Kultur

Die Universität Basel hat beschlossen, zum Herbstsemester 2012 das Lateinobligatorium für das Master-Examen in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte abzuschaffen. Das ist eine schlechte Nachricht. In den letzten Jahren hat die Universität Basel schrittweise bereits für eine Reihe anderer geisteswissenschaftlicher Fächer das Lateinobligatorium abgeschafft, sogar in Sprachfächern wie Französische Philologie, obwohl jedermann weiss, dass das Französische eine Tochtersprache des Lateinischen ist — ebenso wie Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Die Begründung für diese Massnahmen lautete und lautet auch jetzt wieder, dass immer weniger Studienanfänger von den Gymnasien Latein mitbrächten und die Universität Basel infolgedessen durch die Aufhebung des «Lateinzwangs» mehr Studenten gewinnen könne. Damit ist der Gaul von hinten aufgezäumt. Wir sind der Auffassung, dass eine Universität nicht die Aufgabe hat, möglichst viele Studenten zu gewinnen, sondern der Gesellschaft möglichst qualifizierte Absolventen zuzuführen. Wenn die Studienanfänger nicht mehr genügend vorgebildet sind, muss die Universität sich dafür einsetzen, dass die Studienvoraussetzungen an den Gymnasien verbessert werden. Die Universität darf sich nicht an die Gymnasien anpassen, sondern die Gymnasien müssen sich an die Universität anpassen. Vom Niveau der Universitäten hängt weltweit das Niveau der gesellschaftlichen Führungsschichten ab.
Latein ist keine beliebige Fremdsprache, sondern ein wesentlicher Teil des Fundaments unserer westlichen Kultur. Die fortschreitende Zerstörung dieses Fundaments gefährdet zusehends den in Jahrhunderten darauf errichteten Bau. Der deutliche intellektuelle Qualitätsverfall in den Führungsschichten der westlichen Demokratien beruht wesentlich auf der Vernachlässigung dieses Fundaments. In Wahrnehmung unserer Verantwortung für die Erhaltung eines hohen Bildungsniveaus in der Gesellschaft appellieren wir an die Leitungsgremien der Universität Basel, den Beschluss zur Abschaffung des Lateinobligatoriums in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte zurückzunehmen und in diesem Zusammenhang ihre gesamte Latein-Strategie im Sinne von Wissenschaftlichkeit und Qualitätssicherung grundsätzlich zu überdenken.

Prof. Dr. Peter Blome, Prof. Dr. Joachim Latacz, Prof. Dr. Kurt Tschopp, Prof. Dr. Anton Bierl, Hans-Ueli Gubser, PD Dr. Beat Meyer-Wyss, Prof. Dr. Rudolf Wachter, Prof. Dr. Hans-Peter Mathys, Prof. Dr. Robert Kopp, Dr. Hansjörg Reinau-Krayer, Dr. Anne-Marie Kaufmann-Heinimann, Dr. Karl Schweizer, Prof. Dr. J. Thomas Lambrecht, Prof. Dr. Jürgen von Ungern-Sternberg.

Artikel aus der BaZ vom 14.9.2012: PDF

Lingua Latina vivit

Erschienen in der Süddeutschen Zeitung
vom 29. August 2012 — PDF

Schulen registrieren eine neue Lust an der alten Sprache

Englisch natürlich, Französisch und Spanisch, Chinesisch oder Arabisch am besten, womöglich eine osteuropäische Sprache. ‘Unser modernes Wirtschaftsleben ist schließlich auf den Austausch mit anderen Ländern ausgerichtet.’ Mit einer Latein-Schelte trieb die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kürzlich Altphilologen landauf landab die Zornesröte ins Gesicht. Tenor: Die antike Sprache habe sich in der globalisierten Welt überlebt. Totgesagte leben länger, freut sich dagegen die Lateiner-Zunft, mancher gebraucht gar das ganz und gar unlateinische Wort ‘Comeback’. Denn die Schülerzahlen zeigen: Latein lebt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geht der Anteil der Lateinschüler seit Jahren nach oben, im Vergleich zur Jahrtausendwende um 30 Prozent. Im vergangenen Schuljahr lernten fast zehn Prozent aller Schüler die Sprache, mehr als 800000 Kinder – Platz drei hinter Englisch und Französisch, deutlich vor Spanisch (vier Prozent). Altgriechisch wird übrigens auf niedrigem Niveau konstant nachgefragt, von gut einem halben Prozent der Schüler. Rein auf die Gymnasien bezogen, Heimstätte der alten Sprachen, lernt im Schnitt jeder Dritte Latein. Wie eine Umfrage unter mehreren Kultusministerien zeigt, rechnet man im gerade beginnenden Schuljahr mit einer Stabilisierung des hohen Niveaus. Und das, obwohl das Latinum als Eintrittskarte an den Hochschulen sogar in klassischen Geisteswissenschaften oft nicht mehr nötig ist, zumindest für ein Bachelor-Studium.

‘Das Fach war eigentlich tot, die Schulen fingen bereits an, es zu demontieren’, sagt der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann. Er interpretiert die Nachfrage mit dem gestiegenen Bildungsbewusstsein im bürgerlichen Milieu. Eltern suchten nach einem ‘Distinktionsmerkmal, einer Besonderheit im Bildungsportfolio ihres Kindes’. Da mittlerweile die Hälfte eines Jahrgangs die Hochschulreife erwirbt, erhoffe man sich da durch Latein einen Bildungsvorteil, eine Art ‘Abitur plus’.

Bei den Ursachen für den Anstieg klopft sich Bernhard Zimmermann dagegen lieber selbst auf die Schulter. Nachdem das Fach in den Achtziger- und Neunzigerjahren unter Druck geraten sei, habe man konsequent an den didaktischen Konzepten gearbeitet, sagt der Freiburger Professor und Vorsitzende des Deutschen Altphilologenverbands. Lateinunterricht wird tatsächlich immer moderner, der Zugang spielerischer, etwa mit Geschichten von Gladiatoren und Löwen, Projekten zur römischen Alltagsgeschichte, Comics auf Latein oder Wortneuschöpfungen wie ‘nexus retialis’ (Internet). Pädagogen, die wie ein Feldwebel das Konjugieren von Verben als qualvolles Exerzitium zelebrieren, finden sich kaum noch.

Dennoch erfordere Latein Disziplin bei Vokabeln und Grammatik – eben das sei ein starkes Argument, so Zimmermann. ‘Latein dient als Instrument, um die deutsche Sprache besser zu durchdringen und Fremdsprachen zu erlernen.’ Man trainiere Konzentration, die Kindern auch unter dem Einfluss neuer Medien mitunter abhandenkomme; und man lerne ‘Problemlösungskompetenz’, indem man sich einen lateinischen Satz sukzessive erschließe. Dieser ‘lange Atem’ stoße in der Wirtschaft auf Respekt – auch wenn es offiziell kaum jemand zugibt. Johann Osel

Nuntii latini vom 3. August 2012

Quelle: Lateinischer Wochenrückblick
der finnischen Radiostation YLE
http://yle.fi/radio1

[audio:https://www.latinisator.ch/wp-content/uploads/2012/08/nuntii-2012-08-03.mp3|titles=ante diem tertium Nonas Augustas]

Olympia Londiniensia

Die vicesimo septimo mensis Iulii (27.7.) Londinii Olympia aestiva ordine vicesima septima cum spectaculo initiali splendidissimo celebrari coepta sunt. Aderant in stadio Londiniensi octoginta fere milia hominum, et apud televisoria circiter quattuor miliarda spectatorum sedisse existimantur, cum Elisabeth II, regina Britanniae, illos ludos publice inauguravit.
Neque honor ignis Olympici accendendi uni soli athletae, ut antea fieri solebat, concessus est, sed septem iuvenes hanc caerimoniam procurandam sibi susceperunt. Olympia Londiniensia tantae magnitudinis sunt, ut iis amplius decem milia agonistarum e ducentis quattuor nationibus oriundorum intersint. Certamina usque ad diem duodecimum huius mensis (12.8.) continuabuntur. (Reijo Pitkäranta)

De bello in Syria civili

In Syria pugnae vehementissimae de urbe Aleppo possidenda inter copias regiminis et bellatores seditiosos usque committuntur. Exercitus Syriae nuntiavit se iam multos vicos in suam potestatem denuo redegisse, sed adversarii id factum esse denegant. Constat condicionem incolarum urbis diem de die in peius mutari, cum eis res fere omnes ad vivendum necessariae iam desint. Etiam valetudinaria et nosocomia plena sunt hominum vulneratorum. (Reijo Pitkäranta)

Monti in Finniam venit

Die Mercurii (1.8.) Mario Monti, princeps minister Italiae, Helsinkium venit a primo ministro Finniae Jyrki Katainen invitatus. Qui viri politici conventu in villa aestiva ministeriali Kesäranta habito de necessitudine mutua utriusque nationis collocuti sunt. Neque fieri potuit, quin eodem tempore una deliberarent, qualis esset condicio rerum oeconomicarum in Unione Europaea. (Reijo Pitkäranta)

De incendiis silvestribus

Omnes fere orbis terrarum partes hac aestate incendiis terrestribus afflictae sunt et affliguntur. Quae in ora Hispaniae coorta sunt, his triginta annis pessima describuntur. In litore autem Croatiae, ubi secundum Mare Hadriaticum incendia vehementissima conflata erant, complures regiones vacuefactae sunt. Eodem tempore Russia saltem ducentis incendiis silvestribus vastari nuntiatur. Quod ad Civitates Americae Unitas pertinet, in Arizona et Nebrasca ictu fulminis effectum est, ut multa loca graminea ignem conciperent. (Reijo Pitkäranta)

Aestas Finniae pluviosa

Agricolae Finniae sperant fore, ut largi imbres, qui per totam aestatem segetes vexaverunt, tandem aut rarescant aut omnino remittant. Nisi id factum erit, metuendum est, ne proventus frumenti hoc autumno solito minor remaneat. Imprimis cultores agrorum in Ostrobothnia habitantes sollicitudine affecti sunt: ibi enim imbres tam torrentes ceciderunt, ut sationes Solani tuberosi in multis regionibus aquis inundarentur. (Reijo Pitkäranta)