Petrus von Ravenna veröffentlichte am 10. Januar 1491 Phoenix – die Kunst des Gedächtnisses, einer der ersten Bestseller auf dem Buchmarkt, wenn auch nicht die erste Methode, das träge Gedächtnis zu trainieren. Autorin: Christiane Neukirch
[audio:https://www.latinisator.ch/wp-content/uploads/2013/01/Petrus-von-Ravenna-trainiert-das-Gedächtnis-10.01.1491-10.01.2013.mp3|titles=Das Kalenderblatt – Podcast Bayern 2 – Petrus von Ravenna trainiert das Gedächtnis]
Phoenix seu artificiosa memoria
Hier das oben erwähnte Werk in der Ausgabe von 1600 aus Vicenza (Quelle: Google Books):
Polykrates
Edler Pythagoras, Spross helikonischer göttlicher Musen,
sage mir an, wie viele es sind in deiner Behausung,
welche am besten bestehen als Jünger im Kampfe der Weisheit?
Pythagoras
Sagen will ich es dir, Polykrates: Siehe die Hälfte
lernt die herrliche Mathematik, hingegen ein Viertel
ringt, die Natur zu erforschen, die ewige; völliges Schweigen
übt der siebente Teil und hört unsterbliche Reden.
Drei sind Frauen dabei, doch herrlich vor allen Theano.
Soviel leite als Jünger ich an im Dienste der Musen.
Wer an der Uni Zürich den Master in Philosophie, Englisch oder moderner Kunstgeschichte machen will, muss auch künftig Lateinkenntnisse haben: Die Versammlung der Philosophischen Fakultät beschloss am Freitag, die Lateinpflicht nicht abzuschaffen.
Alle drei Anträge seien mit komfortabler Mehrheit abgelehnt worden, sagte Dekan Peter Fröhlicher nach der Versammlung am Freitagabend auf Anfrage. Man habe befürchtet, dass die verschiedenen Fächer der Philosophischen Fakultät aus dem Gleichgewicht geraten würden, falls die drei Fächer aus dem Verbund ausscheren würden.
Der Antrag auf Abschaffung war vom Englischen und vom Philosophischen Seminar und von den Kunsthistorikern gekommen, wie Uni-Sprecher Beat Müller zur Nachrichtenagentur sda sagte. Hauptbegründung war, dass viele Studierende an andere Universitäten ausweichen würden, wo sie ohne Latein ihren Masterabschluss machen könnten.
Auch von den Studierenden waren nicht alle einverstanden mit den Anträgen zur Abschaffung: Mit einer Petition setzten sich vor allem Philosophiestudierende für die Beibehaltung des «Latinums» ein.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten schafften die verschiedenen Universitäten in zahlreichen Fächern das Lateinobligatorium ab – für angehende Mediziner fiel es in Zürich bereits 1968.
Neben Philosophie, Englisch und moderner Kunstgeschichte gilt das Lateinobligatorium an der Uni Zürich auch weiterhin für Fächer wie Geschichte, Theologie, Archäologie und die meisten Sprachstudiengänge.
Die Universität Basel hat beschlossen, zum Herbstsemester 2012 das Lateinobligatorium für das Master-Examen in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte abzuschaffen. Das ist eine schlechte Nachricht. In den letzten Jahren hat die Universität Basel schrittweise bereits für eine Reihe anderer geisteswissenschaftlicher Fächer das Lateinobligatorium abgeschafft, sogar in Sprachfächern wie Französische Philologie, obwohl jedermann weiss, dass das Französische eine Tochtersprache des Lateinischen ist — ebenso wie Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Die Begründung für diese Massnahmen lautete und lautet auch jetzt wieder, dass immer weniger Studienanfänger von den Gymnasien Latein mitbrächten und die Universität Basel infolgedessen durch die Aufhebung des «Lateinzwangs» mehr Studenten gewinnen könne. Damit ist der Gaul von hinten aufgezäumt. Wir sind der Auffassung, dass eine Universität nicht die Aufgabe hat, möglichst viele Studenten zu gewinnen, sondern der Gesellschaft möglichst qualifizierte Absolventen zuzuführen. Wenn die Studienanfänger nicht mehr genügend vorgebildet sind, muss die Universität sich dafür einsetzen, dass die Studienvoraussetzungen an den Gymnasien verbessert werden. Die Universität darf sich nicht an die Gymnasien anpassen, sondern die Gymnasien müssen sich an die Universität anpassen. Vom Niveau der Universitäten hängt weltweit das Niveau der gesellschaftlichen Führungsschichten ab.
Latein ist keine beliebige Fremdsprache, sondern ein wesentlicher Teil des Fundaments unserer westlichen Kultur. Die fortschreitende Zerstörung dieses Fundaments gefährdet zusehends den in Jahrhunderten darauf errichteten Bau. Der deutliche intellektuelle Qualitätsverfall in den Führungsschichten der westlichen Demokratien beruht wesentlich auf der Vernachlässigung dieses Fundaments. In Wahrnehmung unserer Verantwortung für die Erhaltung eines hohen Bildungsniveaus in der Gesellschaft appellieren wir an die Leitungsgremien der Universität Basel, den Beschluss zur Abschaffung des Lateinobligatoriums in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte zurückzunehmen und in diesem Zusammenhang ihre gesamte Latein-Strategie im Sinne von Wissenschaftlichkeit und Qualitätssicherung grundsätzlich zu überdenken.
Prof. Dr. Peter Blome, Prof. Dr. Joachim Latacz, Prof. Dr. Kurt Tschopp, Prof. Dr. Anton Bierl, Hans-Ueli Gubser, PD Dr. Beat Meyer-Wyss, Prof. Dr. Rudolf Wachter, Prof. Dr. Hans-Peter Mathys, Prof. Dr. Robert Kopp, Dr. Hansjörg Reinau-Krayer, Dr. Anne-Marie Kaufmann-Heinimann, Dr. Karl Schweizer, Prof. Dr. J. Thomas Lambrecht, Prof. Dr. Jürgen von Ungern-Sternberg.