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Eine Pergamentseite in der Analyse

Moderne Bildbearbeitungsmethoden machen es möglich, den ursprünglichen griechischen Text (rot) auf den Fragmenten zu entziffern. Dieser wurde ausradiert und im 10. Jhdt. mit einem arabischen Text (schwarz) überschrieben (Pseudofarbenbild von Sin. ar. NF 66, f. 2v + frg. 7v + frg. 8r, bearbeitet von Imaging Scientist Keith Knox). © Katharinenkloster, Sinai, Ägypten

Funde dieser Art geschehen äußerst selten: Im Katharinenkloster im Sinai hat eine Forscherin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einen bisher unbekannten Text aus der Zeit Homers entdeckt. Erhalten sind nur noch Fragmente auf zwei Blättern. Doch daraus lässt sich ein poetischer Text rekonstruieren, der von der Kindheit des Gottes Dionysos erzählt.

Quelle: Österreichische Akademie der Wissenschaften

Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris.
Nescio, sed fieri sentio et excrucior.

  1. Hassen und lieben zugleich muss ich. — Wie das? — Wenn ich’s wüsste!
    Aber ich fühl’s, und das Herz möchte zerreissen in mir.
    — E. Mörike (1840)
  2. Hass und Liebe zugleich heg’ ich. Du fragst nach dem Grunde?
    Weiss nicht; dass es so ist aber, empfind’ ich mit Schmerz.
    — W. S. Teuffel (1855)
  3. Liebe verfolgt mich und Hass. «Und warum?» fragt einer. Ich weiss nicht,
    aber ich fühl’ es einmal, fühl’ es und leide darum.
    — T. Heyse (1855, l889)
  4. Hass und Liebe zugleich durchglüht mich. Weswegen? Ich weiss nicht,
    aber ich fühl’s nun einmal, fühl es mit höllischer Pein.
    — F. Pressel (l860)
  5. Liebe verzehrt mich und Hass! Wieso das? möchtest du fragen.
    Weiss nicht! Aber ich fühl’s, dass es so ist, und vergeh!
    — T. Vulpius (1889)
  6. Liebe durchglüht mich und Hass. «Warum denn?» magst du mich fragen.
    Sagen, ach, kann ich es nicht — fühlen nur kann man die Qual.
    — M. Schuster (1906)
  7. Hass durchglüht mich und Liebe. «Warum?» So fragst du. Ich weiss nicht.
    Aber ich fühl’s und das Herz bricht mir vor Marter entzwei.
    — M. Schuster (1950)
  8. Hass und Liebe mein Leben! Warum? Ich kann es nicht sagen;
    Blindlings folg ich dem Trieb, ernt’ ich auch Marter und Tod!
    — W. Amelung (1911)
  9. Ach, ich hasse und liebe. Du fragst, warum ich das tue.
    Weiss nicht. Ich fühle nur: es geschieht und tut weh.
    — M. Brod (1914)
  10. Liebe heg ich und Hass. Fragst du, warum ich es tue?
    Weiss nicht. Doch es geschieht, fühl ich und kreuzige mich.
    — P. Mahn (1918)
  11. Von Hass und Liebe schwillt mein Herz. Fragst du: Warum?
    Weiss nicht, fühl nur: So ist’s — und Schmerz zerreisst mich drum.
    — P. Mahn (1925)
  12. Hassen und Lieben zugleich. Du fragst wohl, warum ich’s so treibe.
    Weiss nicht. Dass es mich treibt, fühl’ ich und martre mich ab.
    — E. Norden (1923)
  13. Liebe trag ich mit Hass. Warum? So fragst du. Ich weiss nicht.
    Aber ich fühle: so ist’s; und ich verblute in Qual.
    — E. Saenger (1926)
  14. Zwischen Lieben und Hassen taum’l ich und weiss nicht: weshalb?
    Aber ich fühle die Pein, die mich zerfoltert gemach.
    — H. Sternbach (1927)
  15. Hassen und lieben. Warum, so fragst du vielleicht? Ich weiss nicht.
    Aber es ist so: ich fühl’s, und es zerreisst mir das Herz.
    — C. Fischer (1948)
  16. Hassen und lieben, warum ich es tue, das magst du wohl fragen.
    Weiss ich’s doch nicht, nur wie’s tut, fühl ich und hänge am Kreuz.
    — W. Herlitschka (1948)
  17. Hass erfüllt mich und Liebe. Weshalb das? so fragst du vielleicht mich.
    Weiss nicht. Doch dass es so ist, fühl ich und quäle mich ab.
    — W. Eisenhut (1956)
  18. Hasse und liebe. Warum ich das tu’, ist vielleicht deine Frage.
    Weiss nicht. Doch dass es geschieht, spür’ ich — und härme mich ab.
    — K. Büchner (1957)
  19. 0, ich hasse und liebe! Weshalb ich es tue, du fragst’s wohl.
    Weiss nicht! Doch dass es geschieht, fühl ich — unendlich gequält.
    — 0. Weinreich (1960)
  20. Hassen tu’ ich und lieben. Warum ich’s tue, so fragst du.
    Weiss nicht. Doch dass ich es tu’, fühl’ ich und martre mich ab.
    — R. Helm (1963)
  21. Hass und Liebe sind eins bei mir. Weshalb, vielleicht fragst du.
    Weiss es nicht, spür’ ich es gleich; martervoll werd’ ich gequält.
    — A. Klein (1963)

(Quelle: http://www.sempronia.net/odi.htm) — PDF

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Mahnwort zur Ferienmitte ;-)

August Boeckh (1785–1867)
Klassischer Philologe, Altertumsforscher


Nulla in re, quantum intermissio noceat, magis licet cernere quam in litteris: in quibus sine assidua contentione ac vigiliis parum proficias, ac si quando cessaveris, ea, quae tenueras, maiore celeritate obliviscare, quam didiceras.

Nirgends ist deutlicher ersichtlich, wie schädlich eine Unterbrechung ist, als bei Sprache und Literatur; bei diesen dürfte man ohne ausdauernde und wachsame Anstrengung kaum etwas erreichen. Wenn man aber einmal eine Pause einlegt, dürfte man, was man beherrscht hatte, schneller vergessen, als man es gelernt hat.

Quellen:

  • August Boeckh, Gesammelte kleine Schriften – Band 4: Opuscula Academica Berolinensia, Leipzig 1874 (Reprint: Hildesheim 2005), S. 76 (Volltext auf: archive.org)
  • Übersetzung nach: www.gottwein.de (Theorie und Praxis der Hausaufgaben)
  • Abbildung