Das Stabat mater ist ein mittelalterliches Gedicht, das die Schmerzen und Trauer der Mutter Jesu Christi während dessen Leiden am Kreuz beschreibt. Es ist unklar, wer das Gedicht ursprünglich verfasste, man geht jedoch davon aus, dass der Text im 13. Jahrhundert entstand.

Mater Dolorosa, Tizian (1554), Museo del Prado, Madrid.
Vertonungen
Das Stabat mater wurde von klassischen Komponisten sehr oft vertont: vom gregorianischen Choral, über di Lasso (1585), Vivaldi (ca. 1712), Pergolesi (1736) bis hin zu Rossini (1832/42), Verdi (1898) und ganz neuen Vertonungen wie etwa derjenigen von Arvo Pärt (1985) und Karl Jenkins (2008).
Weiterführende Links
- BR Klassik: «Das starke Stück – Musiker erklären Meisterwerke – Stabat mater» Artikel/Podcast
- stabatmater.info
Text
iuxta crucem lacrimosa,
dum pendebat filius;
wie sie mit zerrißnem Herzen
unterm Kreuz des Sohnes steht:
contristantem et dolentem
pertransivit gladius.
da das Schwerdt des Weltgerichtes
tief durch ihre Seele geht!
fuit illa benedicta
mater unigeniti!
ward die Hochgebenedeite
Mutter des Gekreuzigten!
et tremebat, cum videbat
nati poenas incliti.
Wie sie zittert, wie sie ächzet,
des Geliebten Pein zu sehn!
matrem Christi si videret
in tanto supplicio?
bey dem Jammer sich erwehren,
der die Mutter Christi drükt?
piam matrem contemplari
dolentem cum filio?
der die Mutter mit dem lieben
Sohn in solcher Noth erblikt?
Iesum vidit in tormentis
et flagellis subditum.
sieht sie, wie die zarten Glieder
schwehrer Geisseln Wuth zerreißt:
morientem, desolatum,
cum emisit spiritum.
Trostberaubt, von Gott verlassen,
still verathmen seinen Geist.
me sentire vim doloris
fac, ut tecum lugeam.
laß die Fluth der heil‘gen Triebe
strömen in mein Herz herab!
in amando Christum Deum,
ut sibi complaceam.
ganz für den in Liebe brennen,
Der für mich sein Leben gab.
crucifixi fige plagas
cordi meo valide.
die dein Sohn für mich empfunden,
tief in meine Seele ein!
iam dignati pro me pati,
poenas mecum divide.
mit Ihm leiden, mit Ihm büßen,
mit Ihm theilen jede Pein!
crucifixo condolere,
donec ego vixero.
mich durchs Kreuz mit Ihm vereinen,
sterben all mein Lebenlang!
te libenter sociare
in planctu desidero.
unverwandt hinauf zu sehen,
sehn’ ich mich aus Liebesdrang.
mihi iam non sis amara,
fac me tecum plangere.
laß von aller Lust mich scheiden,
die ihm diese Wunden schlug!
passionis eius sortem
et plagas recolere.
will das Kreuz des Lammes tragen,
welches meine Sünde trug.
cruce hac inebriari
ob amorem filii.
liebestrunken mich genießen
dieses tröstenden Gesichts!
per te, virgo, sim defensus
in die iudicii.
deck’, o Jungfrau, mich dein Schleyer
Einst am Tage des Gerichts!
morte Christi praemuniri,
confoveri gratia.
laß mich Christi Kreuz beschirmen,
sey die Gnade mein Panier!
fac ut anima donetur
paradisi gloriae.
meinen Leib, so nimm die Seele
auf ins Paradies zu dir!
- Text nach: Clemens Blume, Henry M. Bannister (Hrsg.): Die Sequenzen des Thesaurus Hymnologicus H. A. Daniels und anderer Sequenzenausgaben. 2. Teil, 1. Band: Liturgische Prosen des Übergangsstils und der zweiten Epoche (= Analecta Hymnica. Band 54). O.R. Reisland, Leipzig 1915, S. 312–318 (Textausgabe: Archive.org). ↩
- aus: Der Teutsche Merkur 1781, 1. Quartal, S. 101–106 (Textausbgabe: uni-bielefeld.de) ↩


